Bitte nicht!

Wenn Sie einen Redakteur richtig glücklich machen möchten: Hier die Liste mit Dingen, die Sie unbedingt tun müssen. In welcher Reihenfolge Sie die Punkte (am besten in einer einzigen Mail) abarbeiten, können Sie natürlich selber entscheiden.

Visitenkarte Redakteur
Visitenkarten-Rückseite eines lieben und sehr geschätzten Kollegen

DER Master-Tipp: Verzichten Sie auf einen PR-Profi (oder Agentur mit Erfahrung). Das Geld können Sie sich sparen, sofern Sie nur bitte enthusiastisch genug sind. Ignorieren Sie konsequent Ratschläge: PR-Profis sind da echte Spaßverderber.

Wenn Sie wirklich erfolgreich selber aktiv werden wollen – hier unsere Tipps:

1.) Bitte keinesfalls auf die Zielgruppe des Mediums achten! Redakteure sind omnipotent und immer an allen Themen interessiert. Und auch Gesundheitsnews sind zum Beispiel für einen IT-Finanzredakteur wichtig – man könnte ja irgendeine wilde Brücke schlagen … Hauptsache der Firmenname ist platziert. Da wird sich der Redakteur schon was einfallen lassen. Weisen Sie ihn bitte darauf hin!

2.) Weltmarktführer – darunter machen Sie es bitte nicht! Steigern Sie die Glaubwürdigkeit der Meldung, indem Sie auf die Marktführerschaft des 5-Personen-Startups verweisen. Der Redakteur kennt den Markt nicht – und eventuell übernimmt er beeindruckt die Formulierung direkt ins Magazin. Das beeinflusst dann den Weltmarkt und auch die Leser werden glauben, das diese 5-Mann-Klitsche der Weltmarktführer ist!

3.) Wundervoll üppige Superlativen verwenden! “Modernstes Kundenerlebnis”, “Höchste Effizienz”, “Revolutionär!”, “vollständig Intuitiv”, … viel zu selten verwendet. Der Redakteur muss wissen, dass es niemals ein Produkt gab, dass nur annähernd so klasse ist wie das Ihres Kunden. Er wird es glauben und weitertragen!

4. ) Du’tzen Sie unbedingt! Das schafft wohlige Nähe! Der Redakteur kann sich dann nicht Ihren Wünschen entziehen – und schließlich sind Sie ja hip und modern!

5.) Haken Sie nach! Gerne auch mehrfach. Am besten per Telefon. Sie können davon ausgehen, dass Redakteure Ihre wichtige Meldung schlicht übersehen haben. Das müssen Sie verhindern. Am besten auch nicht selber machen – beauftragen Sie Ihren PR-Praktikanten, der weiß wenigstens nicht worum es geht und soll gleich mal den richtigen Eindruck von seiner künftigen Arbeit bekommen.

6.) Übersetzen Sie bitte PR-Meldungen aus dem angelsächsischen Raum (USA/GB/…) unbedingt direkt 1:1. Die immer zurückhaltenden und wertfreien Formulierungen entzücken jeden Redakteur. Die geraden Sätze sind eine Wonne. Die ausgewogene Darstellung passt grandios zu europäischen Magazinen.

7.) EINEN EXTRA-LANGEN BETREFF UNBEDINGT IN VERSALIEN SCHREIBEN UM DIE WICHTIGKEIT ZU BETONEN UND DAS WESENTLICHE AUßERHALB DES SICHTBAREN BEREICHES ZU SCHIEBEN. UND IM TEXT NATÜRLICH ALLES BOLD.

8.) Und bitte, bitte: Verraten Sie nicht gleich im Betreff die Neuigkeit. Umschreiben Sie gekonnt.

9.) Packen Sie die Meldung in einen PDF-Anhang – niemals als puren Text in die Mail selbst. Besonders beliebt sind dazu Betreff und Einleitungssätze wie: “Erfahren Sie im PDF unsere Neuigkeiten.” … noch besser: ZIPen Sie das Dokument! Man muss ja Platz sparen.

10.) Bilder? Ja, klar – aber mit Spaß! Sorgen Sie dafür, dass die Nutzungsrechte vom Fotografen nach einem Jahr auslaufen. Auf die Abmahnung, die dann die Redaktion nach einem Jahr bekommt, reagieren Sie lässig mit: “Unsere Nutzungsrechte waren korrekt.” ¯\_(ツ)_/¯ . Das funktioniert ganz prima mit Bildern auf Studientiteln …

11.) Versuchen Sie gleich ein Interview zu vereinbaren – am besten mit dem Vize-Sales-Manager, der sich schon immer mal in einem Beitrag sehen wollte. Das kann man gut abrechnen, macht wenig Arbeit und wenn es schief läuft war nicht die Agentur schuld. Ah – und dem Unternehmen verkaufen Sie es als fest platziert! Dann ist die Redaktion Schuld, wenn man beschließen sollte das zu werbehaltige Interview doch nicht zu bringen.

12.) Verwenden Sie eine reißerische Überschrift – und verstecken Sie dann die Information, die sich darauf bezieht im fünften Absatz. Aber bitte erst nachdem Sie erst ausführlich Ihre einmalige Marktposition, den Markt, die Farbe des Motorades der Tante und ihre neue Liebe zur Fischzucht beschrieben haben. Ein wenig geschichtlicher Rückblick darf vor der elementaren Information keinesfalls fehlen!

Und jetzt im Ernst … Pressemitteilungen kommen bei Redakteuren eher an, wenn:

1.) Sie auf die Zielgruppe des Mediums achten (schlimmstenfalls müssen Sie die PM speziell auf die Redaktion anpassen. Fragen Sie sich dafür, wie hoch der Gegenwert ist, wenn die Redaktion die Meldung dann tatsächlich aufnimmt?)
2.) Überschrift und Betreff kurz und informierend formuliert sind
3.) Das Wichtige (also die News) kommt an den Anfang.
4.) Prägnante Zusammenfassung am Anfang/Erster Absatz
5.) Reinen Text in der E-Mail; (eine „schöne“ PDF-Version ist nicht notwendig)
6.) Bildmaterial gleich beilegen, bzw. per Download-Link (wenn zu groß)
7.) Keine großen Anläufe, Anschreiben (gleich auf den Punkt)
8.) Klare Sprache. Nicht verschleiern oder versuchen Nebelkerzen zu werfen. („weniger gut“  ist nicht weniger gut, sondern “schlecht”)
9.) Kurze Sätze. Keine Schachtelmonster.
10.) Keine Überhöhungen, kein Wichtigmachen. In der Tat: Wirklich große oder relevante Unternehmen können es sich leisten per Understatement bei Redakteuren zu punkten.
11.) Der Absender der PM sollte 1-2 Tage nach dem Absenden telefonisch und per E-Mail für Rückfragen erreichbar sein.

Ein paar weitere gute Tipps zum Schreibstil finden Sie hier.

 

Last words … Verlage sind notwendig!

Denken Sie bitte daran, dass auch Verlage Wirtschaftsunternehmen sind. Ohne Verlage gibt es keinen glaubwürdigen Kommunikationsweg zu den Konsumenten. Wenn Sie eine Redaktion schätzen, dann unterstützen Sie den Verlag. Weisen Sie als PR-Agentur Ihren Auftraggeber durchaus mal darauf hin, eventuell das Medium auch z.B. mit einer Anzeige zu unterstützen.