“Kuck mal da – ein lieber Journalist. Magst Du ihn mal streicheln?”

Ich wurde vor ein paar Wochen etwa 1 – 3 Mal am Tag danach gefragt, ob ich nicht ein “Interview” mit eher unbekannten C-Levels, Sales-Menschen und Marketing-Managern halten möchte. Gern auch als Gesprächsangebot eingetütet und dann später von PR-Seite zum Interview hochgestuft …

Doch: Was will man ein Unternehmen fragen, dass nie wirklich auffällt? Man soll zu seinem Produkt fragen. Zur Erfolgs-Geschichte. Zu den einzigartigen Alleinstellungsmerkmalen. Stichwortgeber sein.

Der Journalist wird dazu mit liebevollen Worten zum Unternehmen geführt, der Interview-Partner erhält sanfte Verhaltensregeln und der Journalist bekommt dann das sorgsam vorbereitete PR-Futter gereicht.

Dafür habe ich jetzt einen Begriff gefunden: “Streichelzoo-Journalismus🙂

Da kann man sich direkt vorstellen, wie die PR-Agentur zum Unternehmens-Kunden sagt:

Kuck mal da – ein lieber Journalist. Magst Du ihn mal streicheln? Der beißt auch bestimmt nicht.” 🤣

Neiiiin … ich will nicht gestreichelt werden. Wirklich nicht. Das ödet Leser an. Bitte keine Anfragen nach Interviews. BITTE! Das hat in den letzten Monaten echt Ausmaße angenommen. Nur weil ich üblicherweise lieb bin und fast nie beiße, heißt das nicht, dass ich jetzt Freiwild bin.

Was tun, was nicht?

1. Wenn Ihr Kunde etwas zu sagen hat, dann sagen sie es in einer Pressemitteilung. Sollte es da einen interessanten Ansatz für ein Gespräch/Interview geben, meldet sich der Redakteur sicher. Das ist sein Job.

2. Um hier eine Lanze für die gute, alte Produktmeldung zu brechen: Verkaufen Sie bitte nicht Produktmeldungen als Interview. Eine Produktmeldung ist etwas Gutes. Es ist (auf PR-Art) ehrlich, klar und jeder weiß, wer der Absender ist. Es ist in jedem Fall besser als ein Streichelzoo-Interview.

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